Modale Tonleitern

Teil II - Dur-artige Modi

         n diesem Kapitel stelle ich dir die verschiedenen Dur-artigen Modi der

         Dur-Tonleiter vor. Bei allen Beispielen gehen wir davon aus, dass wir über den C-Dur Akkord improvisieren wollen und daher die Modi auch in der Tonlage C-Dur stehen müssen. Als Basistonleiter verwenden wir die C-Dur Tonleiter.

Die drei Dur-artigen Modi der Dur-Tonleiter, benannt nach der Tonstufe auf der sie aufbauen, lauten:

 

  • Modus 1: Ionischer Modus
     

  • Modus 4: Lydischer Modus
     

  • Modus 5: Mixolydischer Modus

I

Die Merkhilfe ist eine kompakte, für den Druck vorbereitete Zusammenfassung zum schnellen  Auffrischen und Wiederholen  des vorgestellten Kapitels.

Workshop Übersicht

Teil I

Erfahre mehr über den Einsatz von Modalen Tonleitern und wie diese funktionieren.

Teil II

Dieses Kapitel befasst sich mit den dur-artigen Modi der Dur-Tonleitern und erklärt wie diese verwendet werden.

Teil III

Im letzten Teil stelle ich dir die vier moll-artigen Modi der Dur-Tonleitern und deren Einsatzgebiet vor.

#1: Ionischer Modus

Modus-Eckdaten

 

 

* T = Ganztonschritt (entspricht 2 Halbtonschritten)

   H = Halbtonschritt

Der ionische Modus ist der erste und einfachste Modus. Er basiert auf der ersten Stufe (Tonika) der Dur-Tonleiter. Im Fall der C-Dur Tonleiter besteht der Ionische Modus also aus der folgenden Notenreihe:

C, D, E, F, G, A, B, c

 

Wie du siehst, ist der ionische Modus (1. Modus)  nichts anderes als die bereits bekannte Dur-Tonleiter. Bittet dich dein Jam-Buddy über einen Akkord im ionischen Modus zu spielen, so kannst du einfach die Dur-Tonleiter in der Tonlage des Akkords spielen. Zu einem C Akkord würdest du beispielsweise die C-Dur Tonleiter spielen.

#4: Lydischer Modus

Modus-Eckdaten

 

 

* T = Ganztonschritt (entspricht 2 Halbtonschritten)

   H = Halbtonschritt

Wie wir sehen, hat sich der Halbtonschritt zwischen 3. /4. Tonstufe der Dur-Tonleiter beim lydischen Modus verschoben und befindet sich nun zwischen der 4. und 5. Tonstufe.

 

Der einzige Unterschied zwischen der Dur-Tonleiter (Ionischer Modus) und dem lydischen Modus besteht also in der Quarte. Die Durtonleiter enthält eine reine Quarte (5 Halbtonschritte), der lydische Modus hingegen eine übermässige Quarte (6 Halbtonschritte).

Beim zweiten Dur-artigen Modus wird die 4. Tonstufe zur Anfangsnote.

 

Sehen wir uns dies wieder am Beispiel von C-Dur an. Da es sich um den 4. Modus handelt, identifizieren wir zunächst die Note der 4. Tonstufe der C-Dur Tonleiter. Es handelt sich um die Note F, die nun unsere neue Tonika wird.

 

Es ergibt sich folgende Tonfolge: F, G, A, B, C, D, E, f, welche dem lydischen Modus in F entspricht (kurz: F-lydisch).

 

Durch die Neuanordnung der Noten hat sich die Position der Halbtonschritte ebenfalls verschoben. Vergleichen wir an dieser Stelle die Position der Halbtonschritte in der C-Dur-Tonleiter mit der Position der Halbtonschritte im F-lydischen Modus.

Abb. 1.1: C-Dur vs. F-lydisch

Halbtonschritt

Ganztonschritt

Schreiben wir diese Erkenntnis nun in eine allgemein gültige Form, indem wir statt den Noten die Tonstufen und die Intervalle zwischen den Tonstufen angeben Wir erhalten einen Tonleiter-Schlüssel mit dem sich für jeden Akkord die passenden Noten des Modus schnell ermitteln lassen.

Abb. 1.2: Tonleiter-Schlüssel lydisch

Da wir in all unseren Beispielen über einen C-Akkord improvisieren möchten, müssen wir nun die Noten für C-lydisch finden. Da der einzige Unterschied zwischen dem ionischen und lydischen Modus die Quarte ist, können wir einfach die Quarte des ionischen Modus (C-Dur) um einen Halbton erhöhen, um C-lydisch zu erhalten. C-lydisch setzt sich also aus folgenden Noten zusammen: C, D, E, F#, G, A, B.

Da wir nun die Noten für C-lydisch kennen, können wir die beiden Tonleitern auf der Gitarre nacheinander spielen.

Abb. 1.3: C-Dur auf der Gitarre

Abb. 1.4: C-lydisch auf der Gitarre

Wir hören hier ganz deutlich den Unterschied zwischen den beiden Modi. C-ionisch klingt hell und freundlich, C-lydisch geheimnisvoll und tiefsinnig. Eine kleine Anpassung mit grosser Wirkung.

Praxistip: Noten des lydischen Modus finden

Es stehen dir zwei Methoden zur Verfügung, um die Noten des lydischen Modus in der gewünschten Tonart schnell und einfach zu identifizieren.

Der lydische-Tonleiter Schlüssel

Wir können den zuvor ermittelten Tonleiter Schlüssel (Abb. 1.2) verwenden, um den lydischen Modus schnell und einfach zu ermitteln. Dazu nehmen wir den Grundton (Tonika) des Akkordes, zu dem wir improvisieren möchten und folgen von diesem Ton ausgehend den Intervallen des Schlüssels.

Die Basis-Tonleiter

Wollen wir zum C-Akkord improvisieren, müssen wir die Noten für C-lydisch ermitteln. C-lydisch ist die 4. Tonstufe der gesuchten Basis-Dur-Tonleiter. Wir zählen nun von der 4. Tonstufe der Dur-Tonleiter zurück bis zur Tonika.

 

 

C-lydisch basiert also auf der G-Dur Tonleiter. Du kannst somit die G-Dur Tonleiter spielen, allerdings mit C als Ausgangsnote.

#5: Mixolydischer Modus

Der dritte Dur-artige Modus der Dur-Tonleiter baut auf der 5. Stufe der Skala auf und verleiht Improvisationen einen bluesigen Charakter.

Wie bereits beim lydischen Modus werden wir zunächst von der C-Dur Tonleiter ausgehend die Intervalle des 5. Modus identifizieren. Darauf aufbauend bestimmen wir den für jede Dur-Tonart gültigen Tonleiter-Schlüssel und zu guter Letzt transponieren wir den Modus noch in die richtige Tonart, damit dieser mit dem C-Dur Akkord harmoniert.

Fangen wir an und bestimmen die Intervalle des mixolydischen Modus. Da es sich um den 5. Modus handelt, suchen wir uns zunächst den 5. Ton der C-Dur Tonleiter und machen diesen zum ersten Ton. Dadurch ergibt sich folgende Reihung der Töne der C-Dur Tonleiter: G, A, B, C, D, E, F, g. Dies entspricht dem mixolydischen Modus in G.

Modus-Eckdaten

 

 

* T = Ganztonschritt (entspricht 2 Halbtonschritten)

   H = Halbtonschritt

Als nächstes bestimmen wir die Intervalle der neuen Tonreihe. Wie wir sehen, befinden sich die Halbtonschritte zwischen 3. / 4. und 6. / 7. Tonstufe.

Der mixolydische Modus unterscheidet sich somit vom ionischen Modus (Dur-Tonleiter) in der Septime.

 

Der ionische Modus verfügt über eine grosse Septime, der mixolydische Modus über eine kleine Septime.

Abb. 2.1: C-Dur vs. G-mixolydisch

Für den mixolydischen Modus können wir folgenden, für alle Dur-Tonarten gültigen, Schlüssel ableiten:

Abb. 2.2: Tonleiter-Schlüssel mixolydisch

Nun kommen wir zum letzten Schritt. Da wir erneut zum C-Dur Akkord improvisieren möchten, benötigen wir die Noten von C-mixolydisch. Diese erhalten wir mit einer der beiden Methoden, welche ich beim lydischen Modus vorgestellt habe.

Der mixolydische-Tonleiter Schlüssel

Wir nehmen den Grundton jenes Akkordes, zu dem wir improvisieren möchten. In unserem Fall ist der Grundton das C, da wir ja zum C-Dur Akkord improvisieren möchten. Vom C ausgehend, folgen wir nun den Intervallen des Tonleiterschlüssels (Abb. 2.2). Es ergeben sich folgende Noten für C-mixolydisch:

 

C, D, E, F, G, A, Bb, c

Die Basis-Tonleiter

C-mixolydisch ist die 5. Tonstufe der gesuchten Basis-Tonleiter. Wir zählen nun von der 5. Tonstufe zurück bis zur Tonika.

 

C-mixolydisch basiert also auf der F-Dur Tonleiter. Du kannst also die F-Dur Tonleiter spielen, allerdings mit C als Ausgangsnote.

Da wir nun die Noten des mixolydischen Modus in C identifiziert haben, können wir diesen auf der Gitarre spielen. Ich empfehle dir wieder die C-Dur Tonleiter (ionischer Modus) und den mixolydischen Modus abwechselnd zu spielen, damit der Unterschied in der Klangfarbe deutlich zur Geltung kommt.

Abb. 2.3: C-Dur auf der Gitarre

Abb. 2.4: C-mixolydisch auf der Gitarre

Klasse...

 

... jetzt kennst du bereits alle Dur-artigen Modi der Dur-Tonleiter. Nun gehen wir noch einen Schritt weiter und schauen uns die verbleibenden 4 Moll-artigen Modi im dritten Teil des Workshops an.

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Hier geht's weiter: