Variationen in der Barréspieltechnik

 

 

Dieser Mini-Workshop richtet sich an fortgeschrittene Gitarrenspieler, welche bereits die Akkorde in der offenen Position kennen und mit den Grundlagen der Barré-Grifftechnik vertraut sind.

 

Barré Griffe sind noch neu für dich? Dann findest du hier einen Grundlagenworkshop zum Thema Barré Akkorde.

 

Um meinen Ausführungen leicht folgen zu können, ist es wichtig, dass du die Noten am Griffbrett kennst (zumindest auf den dicken drei Bass-Saiten). Sollten dir diese noch nicht geläufig sein, findest du hier eine Übersicht zum Ausdrucken.

 

 

Dein Finger - das "natürliche" Kapo

 

In meinem Blog Artikel zur "Kapodastertabelle" erkläre ich, dass ein Kapo ein technisches Hilfsmittel für Gitarristen ist, mit welchem sich alle Saiten am Griffbrett an einer beliebigen Stelle abdrücken lassen (Barré-Klammer).  Durch die entstehende Verkürzung des Gitarrenhalses lässt sich die Tonlage der Gitarre beeinflussen. Dies ist vor allem dann sehr nützlich, wenn man ein Lied schnell in die Tonlage des Sängers / der Sängerin bringen möchte.

 

Beim Barréspiel ersetzt unser Zeigefinger das Kapo (Barré-klammer).

 

 

Wie funktionierten Barré Akkorde?


Schauen wir uns den D-Dur Akkord als Barré-Akkord an. Das D-Dur können wird am 5. Bund folgendermassen greifen.

 

 Abb. 1: D-Dur Barré (A-Form)

 

 

Am 5. Bund spielen wir als tiefste Saite die A-Saite, wo sich der Ton D befindet. Die darunterliegenden Saiten sind mit demselben Finger (Zeigefinger) abgedrückt. Am 7. Bund wird die D, G und B Saite abgedrückt. Wenn wir uns vorstellen, dass der über die Saiten liegende Zeigefinger nun unser neuer Sattel ist, so ähnelt der Griff dem A in der offenen Position. Daher nennt man dieses Barré Griffmuster auch A-Form.
 

Es gibt im Grunde fünf verschiedene Barré-Grundformen. Die gebräuchlichsten sind die A-, die C- und die E-Form. Die D- und G-Form findet man eher seltener aufgrund der schwierigen Fingerpositionen.

 

Möchten wir den D-Dur Akkord in der E-Form spielen, so musst du dir zunächst auf der E-Saite die Note D suchen. Diese befindet sich am 10. Bund. Dann greifst du von der Position aus wie gewohnt den E-Dur Akkord aus der offenen Position. Daraus ergibt sich folgender Fingersatz für den D-Dur Barré Akkord in der E-Form -> 10-12-12-11-10-10.

 

 

Von Dur zu Moll

 

Die Moll-Barré Akkorde folgen der gleichen Logik. Du verwendest deinen Zeigefinger als Barré und greifst hinter dem Zeigefinger den entsprechenden Moll-Akkord aus der offenen Position (je nachdem ob du die E-, A-, D-, G-, C-Barré Akkordform spielen möchtest).


Wollen wir in der E-Form einen Moll-Akkord spielen, drückst du mit dem Zeigefinger den gewünschten Bund ab und greifst hinter dem Zeigefinger den Em Akkord aus der offenen Position. Hier sehen wir als Beispiel den A-Moll Barré Akkord in der E-Form:

 

Abb. 2: A-Moll Barré (E-Form)

 

Für die A-Barré Form in Moll drückst du den gewünschten Bund mit der A-Saite beginnend mit deinem Zeigefinger ab (die E-Saite wird wie auch in der offenen Position des A-Akkords nicht gespielt). Dahinter spielst du den Am Akkord aus der offenen Position.

 

Am 5. Bund gibt dies beispielsweise den D-Moll Barré Akkord (siehe Abbildung 3).

 

Abb. 3: D-Moll Barré (A-Form)

 

 

 

Welche Barré Form verwenden?

 

Welche Akkordform du verwendest, hängt vom jeweiligen Song, der Akkordabfolge und deiner persönlichen Präferenz ab. Für das eine Lied mag das D am 10. Bund gut klingen, für ein anderes wiederum zu hell... Hier heisst es probieren und experimentieren.

 

Damit du nicht während des Spielens zu sehr am Griffbrett hin- und her rutschen musst, solltest du dir vorab schon einen entsprechenden Fingersatz zurecht legen. Spielst du das D am 5. Bund, so empfiehlt es sich, auch die restlichen Akkorde in der Nähe des D zu greifen. Dazu kannst du die fünf verschiedenen Barré Akkord-Formen nutzen.

 

 

Alles unklar? ;-) Ein kleines Beispiel:


Stell dir vor, wir haben einen Song in A-Dur, der aus den folgenden 5 Akkorden besteht:

 

 A, D, E, Am, Dm.

 

Du hast bereits ein wenig herumprobiert und bist zu dem Schluss gekommen, dass das A-Dur am 5. Bund (E-Form) am Besten klingt.

 

Spielst du das A am 5. Bund, so empfiehlt es sich, auch die restlichen Akkorde in der unmittelbaren Nähe zu greifen. Dazu kannst du die fünf verschiedenen Barré Akkord-Formen nutzen.

 

Dir stehen in diesem Beispiel verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine einfache Variante um zwischen den Akkorden ohne grossen Aufwand zu wechseln ist zum Beispiel die Folgende:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                    Abb. 4: A-Dur Barré (E-Form)                                                          Abb. 5: A-Moll Barré (E-Form)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                  Abb. 6: D-Dur Barré                                                                                     Abb. 7: D-Moll Barré

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

           Abb. 8: E-Dur Barré (A-Form)                                                                      

 

 

Du kannst die Fingersätze in Verlauf eines Songs auch immer wieder variieren. So könntest du z.B. den E-Akkord in der Strophe in der offenen Position und im Refrain im 7. Bund spielen. Ein Song klingt dadurch abwechslungsreicher und interessanter. Probiert es einfach aus.

 

 

Exkurs: Dominantseptakkorde für Fortgeschrittene

 

Du möchtest noch eine Möglichkeit kennenlernen, um deine Akkordprogessionen interessanter zu gestalten? Gerne!

 

Dazu eignen sich die sogenannten Dominantseptakkorde. Diese Akkorde besitzen als zusätzlichen Ton die herabgesetzte 7. Tonstufe des Grundtons. Ein C7 spielst du zum Beispiel, indem du den C-Akkord (offene Position) greifst und dann deinen kleinen Finger noch im 3. Bund auf die G-Saite legst.

 

Verschiebst du diesen C7 Akkord auf den 5. Bund, so erhältst du den E7 Barré Akkord. Die tiefe und hohe E-Saite sollten dabei nicht mit angeschlagen werden (siehe Abbildung 8).

 

Abb. 8: E7 Akkord (C-Form)

 

 

Du könntest nun also die Akkordfolge aus unserem Beispiel mit einem E7 statt dem E spielen . Ob dies gut klingt, hängt von dem jeweiligen Song ab. Wie immer hilft es auch hier zu experimentieren und dem einfachen Leitsatz zu folgen: "Klingt es gut, so ist es auch gut".

 

 

Offene Akkorde am Griffbrett ohne Barré


Barré Akkorde fallen dir noch schwer? Nachfolgend habe ich noch einen kleinen Trick für dich, wie du Akkorde mit etwas Schwindeln aus der offenen Position auf höheren Lagen am Griffbrett ohne Barré spielen kannst.

 

 

 

 

                                         
 


 

 

 

 

 

 

           

                 Abb. 9: Fmaj7 Akkord                                                                                 Abb. 10: C6 Akkord  

 

Spielst du beim C6 Akkord die A-Saite mit? Wenn ja, dann ist es ja nicht möglich den Akkord mit dem Zeigefinger zu spielen.


Dazu verwenden wir zwei Akkorde aus der offenen Position. Den Fmaj7-Akkord und den A6 Akkord.

 

Fmaj7:

Du kannst den FIngersatz des Fmaj7 Akkords an eine beliebige Position am Griffbrett verschieben. Beim Spielen musst du darauf achten, dass die ersten zwei Saiten (E,A) nicht mitgespielt werden. Welchen Akkord du gerade spielst, gibt dir der Ton den du mit deinem kleinen Finger auf der D-Saite abdrückst an. Den Akkord im 5. Bund gespielt ergibt einen Amaj7 Akkord (da sich der Ton A am 7. Bund der D Saite befindet).

 

A6 Akkord:

Wir verwenden hier eine vereinfachte Form des A6 Akkords. Das heisst wir spielen die Basssaite (A-Saite), welche eigentlich den Grundton des Akkordes enthält, nicht mit. Dies ist bei dem A6 Akkord nicht nötig, da der Grundton nochmals auf der G Saite gegriffen wird.

 

Du kannst das Griffmuster des A6 Akkord auf diese Weise auch auf dem gesamten Griffbrett spielen. Welchen Akkord du gerade spielst, gibt dir der abgedrückte Ton auf der G-Saite an. Spielst du das A6 Akkordmuster beispielsweise am 5. Bund, so spielst du ein C6.

 

 

Lohnt sich der ganze Aufwand?


Absolut! Eine Rhythmusgitarre soll dynamisch klingen. Mit einem kurzen Rhythmuslick innerhalb der Takte kannst du bewusst Spannung aufbauen. Bei Bluesschemen verwende ich diese Technik sehr gerne.

 

Beispiel - Rhythmus Lick (Barré) bei 12-Bar Blues in A:

Anstatt die ersten 4 Takte auf A-Dur zu bleiben spiele ich : A, D, C6, D, C6  :|| 

Dieses Griffmuster, egal welche Tonart, kannst du für viele songs verwenden die du in Barré spielen willst. Versuche es mal in G-Dur.

 

Dabei schlage ich - ausser beim Grundakkord - jeweils nur die letzten vier Saiten (D-G-B-e)  an, da mein Zeigefinger durch den C6 Akkord sowieso nur in der "halben" Barré-Griffposition ist. 

 

Ich muss zugeben dass die "klassische" A-Form-Griffweise beim schnellen Wechsel nicht so einfach ist. Seit vielen Jahren habe ich mir schon angewöhnt die A-Form Grifftechnik wie folgt zu spielen:
 

 

                                                                                Abb. 9: D Akkord      

 

 

Ich lege also meinen Ringfinger über die D, G, B Saite. Wenn die hohe E-Saite bei einer E-Gitarre nicht "sauber" mitklingt ist das bei den meisten Songs nicht tragisch sondern eher ,im Bandmix gesehen, positiv. Aber wie schon gesagt, gut ist was klingt. Probiert es einfach aus. Bei dem o.g. Bluesschema dominieren dann durch den C6 Akkord die Höhen wieder. Übrigens soll ja eine Rhtyhmusgitarre im Bandgefüge nicht das Hauptinstrument sein. Sie ist ein Teil der Rhythmusgruppe (Schlagzeug, Bass) die wohl dosiert gespielt werden soll. Jedenfalls bei den meisten songs. 

 

Mit den fünf Barré-Grundformen (E-Form, A-Form, C-Form, D-Form und G-Form) stehen dir hunderte Akkordvariationen ohne grossen Aufwand und mühevolles Auswendig lernen zur Verfügung. Ein Mix aus Barré und offenen Positionen inkl. deren Variationen können einen Song in der Begleitung sehr interessant gestalten.

 

Wenn du noch mehr zum Thema Akkordkonstruktion erfahren möchtest, findest du HIER einen kompletten Workshop zu diesem Thema.

 

Ich hoffe, daß ich Euch mit dem Mini-Workshop etwas helfen konnte. Viel Spass beim Üben wünscht euch euer

 

Axel

 

 

 

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