Die Moll-Tonleitern

Die ungleichen Moll-Geschwister

           enügsamkeit ist nicht die Stärke des Moll-Geschlechts. Kommt das Dur noch mit einer Tonleiter aus, so finden wir für's

           Moll gleich drei unterschiedliche Tonleitern.

 

Gott sei dank sind sich die Moll-Geschwister in Ihrem Aufbau ähnlich. Beherrscht du eine Moll-Tonleiter, so kannst du die anderen Beiden ohne grossen Mehraufwand ableiten. Ungeachtet der ähnlichen Struktur unterscheiden sich die drei Moll jedoch klanglich stark voneinander. Warum dies so ist und warum es überhaupt drei Moll-Tonleitern braucht, erkläre ich dir in diesem Workshop.

Zudem erfährst du, was es mit der Moll-Paralelle auf sich hat und wie du zu jeder Dur-Tonleiter auf einfache und schnelle Weise die entsprechende Moll-Variante findest.

Bereit? Na, dann legen wir los...

G

Eckdaten: Natürliches Moll

 

 

 

 

 
 
 
 
Empfohlenes Vorwissen:

* T = Ganztonschritt (entspricht 2 Halbtonschritten)

   H = Halbtonschritt

Die Moll-Geschwister erblickten zu unterschiedlichen Zeitpunkten das Licht der Welt. Den Anfang machte das natürliche Moll, das mit der Dur-Tonleiter einige Gemeinsamkeiten teilt.

So finden wir zu jeder Dur-Tonleiter eine, aus den gleichen Tönen bestehende, Moll-Tonleiter (die sogenannte „Moll-Parallele). Die Moll-Parallele beginnt mit der 6. Tonstufe der Dur-Tonleiter.

Beispiel Moll-Paralelle

Nehmen wir unseren alten Bekannten, die C-Dur Tonleiter, und suchen uns die dazugehörige Moll-Parallele – also jene Moll-Tonleiter, welche die gleichen Töne wie die C-Dur Tonleiter verwendet. Dazu nehmen wir den 6. Ton der C-Dur Tonleiter, das A, und machen es zum Grundton (Tonika) unserer gesuchten Moll-Tonleiter. Dem Alphabet folgend reihen wir nun die restlichen Töne der C-Dur Tonleiter dem A an.

Das natürliche Moll

 
 

Abb. 1.1: C-Dur vs. A-Moll (natürlich)

Halbtonschritt

Ganztonschritt

Das Umstellen der Töne hat dazu geführt, dass sich die Halbtonschritte ebenfalls an einer neuen Position befinden. Waren diese bei der Dur-Tonleiter zwischen der 3. / 4. und 7. / 8. Tonstufe, so befinden sie sich nun zwischen 2./3. und 5./6. Tonstufe (siehe Abbildung 1.1.)

 

Die neue Position der Halbtonschritte bewirkt, dass sich die Intervalle zwischen der Tonika und den restlichen Noten verändert haben. Abweichend zur Dur Tonleiter finden wir:

  • zwischen Tonika und 3. Ton eine kleine Terz (statt einer grossen Terz)

  • zwischen Tonika und 6. Ton eine kleine Sexte (statt einer grossen Sexte)

  • zwischen Tonika und 7. Ton eine kleine Septime (statt einer grossen Septime)

Aus diesen drei Abweichungen ergibt sich folgender Schlüssel für das natürliche Moll:

Halbtonschritt

Ganztonschritt

Abb. 1.2: Tonleiter-Schlüssel Moll (natürlich)

Zugegeben, dies sieht im ersten Moment recht unspektakulär aus. In der Welt der Musik können  kleine Änderungen jedoch grosses bewirken. Während das Dur einen fröhlichen, hellen Klang hervorbringt, wirkt die Moll-Tonleiter durch die Verschiebung der Halbtonschritte traurig und melancholisch.

Am besten schnappst du dir deine Gitarre und probierst es selbst aus. Spiele zunächst die C-Dur Tonleiter und gleich danach die A-Moll Tonleiter. Merkst du welch unterschiedliche Stimmung die Verschiebung der Halbtonschritte erzeugt?

Abb. 1.3: C-Dur auf der Gitarre

Abb. 1.4. C-Moll (natürlich) auf der Gitarre

Noch ein Beispiel gefällig?

Suchen wir die diesmal jene natürliche Moll-Tonleiter, welche die Noten der G-Dur Tonleiter verwendet (Moll-Paralelle).

 

Bestimmen wir in einem ersten Schritt die Töne der G-Dur Tonleiter. Diese lauten: G - A - B - C - D - E - F# - g

 

Nun suchen wir uns wieder den 6. Ton der Dur-Tonleiter und machen diesen zum Grundton (Tonika) der Moll Tonleiter. In diesem Fall ist dies das E. An den Grundton reihen wir nun wieder die restlichen Töne aus dem Tonvorrat der G-Dur Tonleiter. Wir erhalten die natürliche E-Moll Tonleiter (Moll-Paralelle der G-Dur Tonleiter) mit den Noten:

 

E - F# - G - A - B - C - D - e

 

 
Moll-Variante:

Bis jetzt haben wir immer die Moll-Parellele abgeleitet, weil diese die Noten der zugrundeliegenden Dur-Tonleiter verwendet. Was aber wenn wir von der C-Dur Tonleiter die Moll-Variante suchen, also die C-Moll Tonleiter? Da wir wissen, dass die 3., 6. und 7. Tonstufe der Dur-Tonleiter bei der Mollvariante um jeweils einen Halbtonschritt herabgesetzt ist, alle anderen Töne aber gleich bleiben, ist dies ein Kinderspiel.

 

 

 

Wir nehmen die C-Dur Tonleiter (C - D - E - F - G - A - B - c) und vermindern die 3., 6. und 7. Tonstufe wie in Abbildung 1.5 jeweils um einen Halbton. Was wir dadurch erhalten, ist die C-Moll Tonleiter mit den Tönen C - D - Eb - F - G - Ab - Bb - c.  Die Moll-Variante enthält nun nicht mehr die gleichen Töne wie die Dur-Tonleiter. Dies ist lediglich der Fall bei der Moll-Paralelle, die immer auf der 6. Tonstufe der Dur-Tonleiter aufbaut.

​​​

Merkhilfe

Natürliches Moll

Die Merkhilfe ist eine kompakte, für den Druck vorbereitete Zusammenfassung zum schnellen  Auffrischen und Wiederholen  des vorgestellten Kapitels.

Abb. 1.5: Von C-Dur  zu C-Moll (natürlich)

Halbtonschritt

Ganztonschritt

 

Das harmonische Moll

Das natürliche Moll war die erste und einzige Tonleiter, die den frühen Musikgelehrten zur Verfügung stand. Zufrieden war man damit allerdings nicht.

Im Gegensatz zur Dur-Tonleiter ist der Leitton (7. Tonstufe) anstatt eines Halbtonschrittes einen Ganztonschritt von der Tonika entfernt. Wie wir wissen, ist der Leitton jener Ton, der stark zur Oktave drängt, um in ihr Erlösung zu finden. Probier es ruhig aus und spiele die C-Dur Tonleiter ohne Oktave. Klingt irgendwie unvollständig und unbefriedigend… 

 

Mit dem Ganztonschritt zwischen Leitton und Oktave drängt der Leitton viel weniger heftig zur Oktave. Dies ist gerade beim Komponieren hinderlich und somit störten sich Gelehrte und Musiker an der natürlichen Moll-Tonleiter. Man suchte nach einer Lösung, die dem Moll auch zu ihrem Leitton verhilft. Aus den Bemühungen ging eine pragmatische Lösung hervor. Man erhöhte einfach die 7. Tonstufe um einen Halbton und somit war der Leitton wieder näher zur Oktave.

Aus der Notenreihe der natürlichen A-Moll-Tonleiter (A - B - C - D - E - F - G - a) wird also bei der harmonischen Moll-Tonleiter: A - B - C - D - E - F - G# - a

 

Daraus ergibt sich folgender Intervall-Schlüssel:

 

Mit dem Intervall-Schlüssel können wir nun zur C-Dur Tonleiter die harmonische Moll-Variante ableiten. Dazu müssen wir lediglich die 3. und 6. Tonstufe wie in Abbildung 2.2 um einen Halbton herabsetzen.

Die harmonische Moll-Tonleiter unterscheidet sich demnach in zwei Tönen (Eb statt E und Ab statt A) von der Dur-Tonleiter.

Mit dieser Lösung  schafften sich die Musikgehlehrten allerdings gleich ein neues Problem. Durch die Erhöhung der 7. Tonstufe vergrösserte sich die Lücke zwischen der 6. und 7. Tonstufe von zwei auf drei Halbtöne, was in der abendländischen Musikwelt so nicht üblich ist.

Abb. 2.1: Tonleiter-Schlüssel Moll (harmonisch)

Halbtonschritt

Ganztonschritt

Eckdaten: Harmonisches Moll

 

 

 

 

 
 
 
 
Empfohlenes Vorwissen:

* T = Ganztonschritt (entspricht 2 Halbtonschritten)

   H = Halbtonschritt

Halbtonschritt

Ganztonschritt

3 Halbtonschrittte

Abb. 2.2: Von C-Dur  zu C-Moll (harmonisch)

Durch diese Besonderheit besitzt die harmonische Moll Tonleiter eine für unser abendländisches Gehör ungewohnte fremd-orientalische Klangfarbe. Spiel auch hier wieder die C-Dur Tonleiter und die harmonsiche C-Moll Tonleiter nacheinander, um den orientalischen Charakter der Tonleiter einzufangen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Durch die 3 zusammenliegenden Halbtonschritte ist die Tonleiter auch äusserst schwer zu singen. Kein Wunder also, dass sich die harmonische Moll-Tonleiter unter den Musikern des Abendlandes nie grosser Beliebtheit erfreute.

 

So suchte man weiter und kam nach einiger Zeit zu einer dritten Variante…

Abb. 2.4. C-Moll (harmonisch) auf der Gitarre

Abb. 2.3: C-Dur auf der Gitarre

Merkhilfe

Harmonisches Moll

Die Merkhilfe ist eine kompakte, für den Druck vorbereitete Zusammenfassung zum schnellen  Auffrischen und Wiederholen  des vorgestellten Kapitels.

Das melodische Moll

 

* T = Ganztonschritt (entspricht 2 Halbtonschritten)

   H = Halbtonschritt

Eckdaten: Melodisches Moll

 

 

 

 

 
 
 
 
Empfohlenes Vorwissen:

Die harmonische Moll-Tonleiter unterscheidet sich demnach nur noch in einem Ton  (Eb statt E) von der Dur-Tonleiter.

Die Moll-Tonleiter erhielt somit den ersehnten Leitton und der ungeliebte 3fach Halbtonschritt war ebenfalls verschwunden. Somit war nun die perfekte Moll-Tonleiter gefunden. Naja, fast…

Ein kluger Kopf kam  schliesslich auf die Idee, die 3 zusammenliegenden Halbtonschritte der harmonischen Molltonleiter, welche für den fremdländischen Klang verantwortlich sind, neu zu verteilen.

 

Die Lösung bestand darin, die 6. Tonstufe um einen Halbton zu erhöhen. Dadurch verringert sich der Intervall zwischen 6. und 7. Tonstufe von drei Halbtonschritten auf einen Ganztonschritt.

Der Abstand zwischen 5. und 6. Tonstufe erhöht sich hingegen von einem Halbtonschritt zu einem Ganztonschritt.

Bei der harmonischen A-Moll-Tonleiter (A - B - C - D - E - F - G# - a) wird also die 6. Tonstufe um einen Halbtonschritt erhöht. Daraus ergibt sich folgende Notenfolge für die melodische Moll-Tonleiter: A - B - C - D - E - F# - G# - a.

 

Der Intervall-Schlüssel für die melodische Moll-Tonleiter lautet somit:

 

Mit dem Intervall-Schlüssel können wir nun zur C-Dur Tonleiter die melodische Moll-Variante ableiten. Dazu müssen wir lediglich die 3. Tonstufe wie in Abbildung 3.2 um einen Halbton herabsetzen.

 

Abb. 3.1: Tonleiter-Schlüssel Moll (melodisch)

Halbtonschritt

Ganztonschritt

Abb. 3.2: Von C-Dur  zu C-Moll (melodisch)

Die melodische Moll-Tonleiter klingt nur in absteigender Reihenfolge angenehm. Da der Leitton ja nur in absteigender Reihenfolge zur Oktave drängt, macht ein Leitton in aufsteigender Reihenfolge wenig Sinn. Daher ist es üblich die natürliche Moll-Tonleiter in Absteigeder Reihenfolge mit der erhöhten 6. und 7. Tonstufe zu spielen. In aufsteigender Reihenfolge spielt man allerdings die natürliche Moll-Tonleiter.

Abb. 3.3: C-Dur auf der Gitarre

Abb. 3.4. C-Moll (melodisch) auf der Gitarre

Merkhilfe

Melodisches Moll

Die Merkhilfe ist eine kompakte, für den Druck vorbereitete Zusammenfassung zum schnellen  Auffrischen und Wiederholen  des vorgestellten Kapitels.

    Moll 1, Moll 2, Moll 3 und der Workshop ist vorbei...

 

In diesem Workshop hast du die drei unterschiedlichen Moll-Tonleitern, deren Eigenheiten und den Unterschied zwischen Moll-Variante und Moll-Paralelle kennengelernt. Die drei Tonleiter-Schlüssel ermöglichen es dir von jeder Dur-Tonart die entsprechende Moll-Variante schnell und einfach zu bestimmen.

Die verschiedenen Muster zum Üben und Experimentieren mit den Tonleitern findest du in den einzelnen Merkhilfen.

 

Wenn dir der Workshop gefallen hat, freue ich mich über dein "like".