Modale Tonleitern

("Kirchentonleitern" / "Modi")

               aum ein anderes Thema der Musiktheorie stiftet unter Gitarristen 

               so viel Verwirrung wie die "Modalen Tonleitern" (auch "Kirchen-tonarten" oder kurz "Modi" genannt). Aus diesem Grund wird die Auseinandersetzung mit diesem Thema nicht selten von Gitarristen so lange wie möglich gemieden. Zu Unrecht, denn die Kirchtonarten sind gar nicht so schwer zu verstehen und sobald du das Prinzip verinnerlicht hast,  ermöglichen Sie dir mehr Farbe in deine Improvisationen und Kompositionen zu zaubern.

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Die Merkhilfe ist eine kompakte, für den Druck vorbereitete Zusammenfassung zum schnellen  Auffrischen und Wiederholen  des vorgestellten Kapitels.

Um den Einstieg in die Welt der Modi einfach und übersichtlich zu halten,  habe ich diesen Workshop in mehrere Kapitel unterteilt. Mit einer allgemeinen Einführung beginnend werde ich im Anschluss Schritt für Schritt die einzelnen Modi vorstellen und deren Aufbau und Einsatzmöglichkeiten erklären.

Die Auseinandersetzung mit den modalen Tonarten setzt voraus, dass du in der Musiktheorie bereits grundlegende Vorkenntnisse besitzt. Insbesondere die Harmonielehre (Aufbau von Akkorden) und die Dur-Tonleiter sind für das Verständnis der Modalen Tonleitern von entscheidender Wichtigkeit. Workhops zu diesen beiden Themengebieten findest du hier:

Workshop Übersicht

Teil I

Erfahre mehr über den Einsatz von Modalen Tonleitern und wie diese funktionieren.

Teil II

Dieses Kapitel befasst sich mit den dur-artigen Modi der Dur-Tonleitern und erklärt wie diese verwendet werden.

Teil III

Im letzten Teil stelle ich dir die vier moll-artigen Modi der Dur-Tonleitern und deren Einsatzgebiet vor.

Teil I: Grundlagen

Wozu werden modale Tonleitern verwendet?

Bevor du dich mit den Modalen Tonleitern im Detail beschäftigst, solltest du wissen für welche Zwecke sich diese verwenden lassen. Modi sind ein wichtiges Stilmittel beim Improvisieren und Komponieren. Sie ermöglichen unterschiedliche Stimmungen beim Hörer zu wecken. So kann mit dem gezielten Einsatz der Kirchentonarten ein Lied fröhlich, bluesig, geheimnisvoll, düster, melancholisch, mystisch, spannungsvoll, diabolisch oder spanisch anmutend erklingen.

So wie ein Autor mit verschiedenen sprachlichen Stilelementen unterschiedliche Bilder und Gefühle beim Leser hervorruft, so  ermöglichen Modale Tonarten uns Gitarristen unterschiedliche Stimmungen beim Publikum zu wecken. Modi finden in vielen Musikstilen auf der ganzen Welt Anwendung. Insbesondere in der östlichen und spanischen Musik prägen Modi den typischen musikalischen Charakter von ganzen Kulturen.

Was ist denn nun eine „Modale Tonleiter“?

Auch wenn die Bezeichnung es nahe legt, so handelt es sich bei einer Modalen Tonleiter nicht um eine Tonleiter im klassischen Sinne. Kirchentonleitern sind keine eigenständigen Tonleitern, sondern bauen auf einer bestehenden Tonleiter auf. Wie wir wissen, folgt jede Tonleiter einer bestimmten Logik, nach der ihre Töne selektiert und angeordnet werden.

 

Bei einem Modus werden die Töne der zugrundeliegenden Tonleiter beibehalten und kurzerhand neu angeordnet. Dies geschieht jedoch nicht willkürlich. Wie schon bei der Tonleiter existiert für jeden Modus ein fixes Schema für die Umordnung und genau dieses Schema verleiht jedem Modus seine unverkennbare Klangfarbe (z.B.: spanisch, orientalisch, mystisch, …).

 

Um mich in diesem Workshop nicht zu weit von der Praxis zu entfernen,  werde ich mich in den folgenden Ausführungen ausschliesslich den Modi der Dur-Tonleiter widmen (diese sind in der abendländischen Musik am häufigsten anzutreffenden).  Die vorgestellte Logik lässt sich allerdings auch auf die Modi anderer Tonleitern analog anwenden.

Wie wärs mit einem Beispiel?

Sehen wir uns das Ganze mit unserem alten Freund,  der C-Dur Tonleiter, an. Wie der Name  der C-Dur Tonleiter verrät, beginnt diese mit der Note C (die erste Note einer Tonleiter heisst im Musikerlatein „Tonika“), gefolgt von den Noten D, E, F, G, A, B und der Oktave der ersten Note (c).

 

Halbtonschritt

Ganztonschritt

Abb. 1.1: Noten und Intervalle der C-Dur Tonleiter

Wie wir in Abbildung 1.1 sehen, sind alle Töne durch einen Ganztonschritt voneinander getrennt. Nur zwischen dem 3. und 4. Ton und dem 7. und 8. Ton befindet sich ein Halbtonschritt und verleiht der Tonleiter ihren typischen fröhlichen Klang (die bekannte "Do-Re-Mi-Fa-So-La-Ti-Do" Tonfolge). Damit du besser verstehst, was ich meine, findest du nachfolgend die C-Dur Tonleiter zum Nachspielen. Schnapp dir deine Gitarre und spiele / singe diese ein paar Mal auf und ab. So hast du die Klangfarbe der Tonleiter im Nu im Ohr. Dies ist wichtig, um im Folgenden den Unterschied zu den Modalen Tonarten zu erkennen.

Abb. 1.2: C-Dur auf der Gitarre

Nachdem dir nun der Klang der Dur Tonleiter geläufig ist, gehen wir einen Schritt weiter. Anstatt die Tonleiter mit dem C zu beginnen, nehmen wir den 6. Ton der Tonleiter (die Note "A"), und machen diesen zu unserer ersten Note (Tonika). Die zu spielenden Noten bleiben dieselben, nur der Ausgangspunkt ändert sich. Die sich neu ergebende Reihung lautet:  A, B, C, D, E, F, G. Spielen wir die Tonreihe nun ebenfalls auf der Gitarre nach (Abb.: 1.3).

Abb. 1.3: A-Dur auf der Gitarre

Hörst du es? Obwohl wir die Noten der C-Dur Tonleiter spielen, hören sich die beiden Beispiele sehr unterschiedlich an. Beginnen wir die Tonleiter mit dem C, so klingt diese fröhlich und hell. Mit dem A hingegen eher düster und melancholisch. Das ist die Magie der Modalen Tonleitern. Ohne es zu wissen, hast du gerade den 6. Modus der Dur-Tonleiter, den immer etwas trübseling gestimmten Äolischen Modus, gespielt.   

 

Warum ändert sich die Klangfarbe mit einem anderen Ausgangston?

Dadurch, dass wir die C-Dur-Tonleiter mit dem A begonnen haben, ändern sich auch die Stellen, an denen die Halbtonschritte vorkommen.

Abb. 1.4: Intervalle der Dur Tonleiter (Tonart: C)

Abb. 1.5: Intervalle des sechsten Modus der Dur-Tonleiter

Diese sind nun nämlich zwischen der 2. und 3. Tonstufe und der 5. und 6. Tonstufe (statt zwischen 7. und 8. Tonstufe). Durch die neue Position der Halbtonschritte ändert sich die Klangfarbe dramatisch und gibt dem Modus seinen typisch düster-melancholischen Klang.

 

Fassen wir also zusammen. Ein Modus besitzt immer die gleichen Noten wie die zugrundeliegende Tonleiter. Anstatt die Tonleiter wie gewohnt mit der ersten Note (Tonika) zu beginnen, starten wir diese mit einem anderen Ton aus der Tonleiter. Durch die neue Reihung der Noten stehen die Halbtonintervalle an einer neuen Stelle und ergeben die für einen Modus typische Klangfarbe. Da die Dur-Tonleiter aus sieben unterschiedlichen Noten besteht, können wir auch daraus schliessen, dass sieben unterschiedliche Modi existieren.

 

Wenn wir einen anderen Ton zum Grundton (Tonika) machen,

ändern wir dann nicht die Tonlage?

Gut aufgepasst. In unserem Beispiel haben wir die C-Dur Tonleiter als Grundlage verwendet, die 6. Note (A) genommen und diese zum Grundton gemacht. Dadurch haben wir den 6. Modus (äolischer Modus) in der Tonlage A erhalten.

 

Da es sich beim 6. Modus um einen moll-artigen Modus handelt und wir als Grundton die Note A identifiziert haben, können wir wunderbar die Noten des A-äolischen Modus verwenden, um zu einem A-Moll Akkord zu improvisieren. Was aber, wenn wir zu einem anderen Akkord den 6. Modus nutzen wollen?

 

Nehmen wir an, wir möchten zum C-Moll Akkord den 6. Modus verwenden. Akkord und Modus müssen in der gleichen Tonart sein. Somit suchen wir den 6. Modus in C. Wie kommen wir nun aber von A-äolisch zu C-äolisch?

 

In diesem Fall müssen wir den Modus in die richtige Tonart transponieren. In Kapitel II und III erfährst du, wie du auf zwei unterschiedliche Arten jeden Modus in der gewünschten Tonart spielst.

Mir ist klar, dass dies jetzt anfänglich kompliziert und abstrakt klingt. Keine Angst, wir werden im Anschluss zu jedem Modus ein Beispiel durchspielen, wodurch sich anfängliche geistige Nebelschwaden Schritt für Schritt lichten werden.

Moll- und Dur-artige Modi

In meiner Einführung zum Thema Songwriting habe ich aufgezeigt, wie du zu den Noten der Dur-Tonleiter die passenden Akkorde findest. Wir haben gesehen, dass sich aus der I, IV, V Tonstufe Dur-Akkorde und aus der II, III und VI Tonstufe Moll-Akkorde ableiten.

Im Fall der C-Dur Tonleiter ergeben sich also die Akkorde Cmaj (I), Dm (II), Em (III), Fmaj (IV), Gmaj (V), Am (VI), Bdim (VII).

Für jede Tonstufe der Tonleiter exisitiert auch ein entsprechender Modus, der analog den Akkorden entweder einen Dur- oder Moll-artigen Charakter besitzt. Nachfolgende Matrix zeigt alle Modi der Dur-Tonleiter inklusive Tongeschlecht und Klangfarbe.

Eckdaten Modale Tonarten

Tab. 1: Eckdaten der Modalen Tonarten der Dur-Tonleiter

Wie wir in der Tabelle (Tab. 1) sehen, gibt es drei Dur-artige und vier Moll-artige Modi. In Kapitel II werde ich auf die Dur-artigen und in Kapitel III auf die Moll-artigen Modi eingehen.

Gut gemacht...

 

... das Schwierigste ist geschafft. Du hast das Grundprinzip der Modalen Tonleitern kennengelernt. Als nächstes sehen wir uns die verschiedenen Modi an. Teil II konzentriert sich auf die Dur-Modi und Teil III auf die Moll-Modi.

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