Gitarreneffekte auf einen Blick - Teil I: Verzerrer

 

 

Bis vor ein paar Jahren besass ich nur einen simplen Verstärker mit wenigen Einstellungsmöglichkeiten. Eines Tages sollte ich dann einem gewieften Gitarrenverkäufer begegnen, der mich davon überzeugte, dass ich einen Verstärker mit mehr Möglichkeiten „verdiene“. Ich liess mir einen VOX VT+ Verstärker, ein echtes "Effektemonster" wie der Verkäufer ihn nannte, andrehen. Daheim angekommen, packte ich voll Stolz mein neues Prachtstück aus, stöpselte meine Gitarre an uuuund ….. war nach nur 5 Minuten völlig überfordert, verwirrt und frustriert.

 

Unzählige Knöpfe, Drehregler und Schalter, alle mit verschiedensten Einstellungsmöglichkeiten und kryptischen Begriffen / Abkürzungen waren für einen Effekteneuling wie mich der völlige Overkill. Die technisch, trockenen Beschreibungen im Handbuch halfen da auch nur wenig weiter und somit fristete der Verstärker schon bald sein Dasein als reines Dekostück. Beim Musizieren blieb ich bei meinem bewährten, alten Verstärker.

 

Vor einigen Monaten lud ich einen Kollegen, der Tontechniker und leidenschaftlicher Gitarrist ist, zu mir zum Abendessen ein und er erklärte mir die grundlegenden Einstellungsmöglichkeiten meines Verstärkers. Mit diesem Grundwissen viel es mir viel leichter zu verstehen, was sich hinter den Einstellungen verbarg und wozu sich die Effekte nutzen lassen. Ohne diesen Crashkurs würde der Verstärker wohl heute noch bei mir ungenutzt in der Ecke stehen.

 

Damit dir nicht ähnliches wiederfährt und dein Einstieg in die Welt der Effektgeräte sanfter ausfällt, habe ich in diesem Beitrag alle praxisrelevanten Effekte zusammengefasst. Eine kurze Beschreibung erklärt den Effekt. Infos über die Verwendung, die Einsatzgebiete und die Angabe von Songbeispielen sollen dir dabei helfen, die richtigen Effekte für deine Songs auszuwählen.

 

Die aufgeführten Effekte sind nach ihrer Funktionsweise in die Kategorien „Verzerrer“, „Raumeffekte“, „Modulationseffekte“, „Dynamik Effekte“ und „Filter Effekte“ unterteilt. Am Ende der Beitragsserie findest du noch eine Übersicht, welcher Effekt sich für welche Musikrichtung besonders gut eignet.

 

Beginnen wir nun mit der Mutter aller Gitarreneffekte - dem Verzerrer.

 

Verzerrer
Der typisch verzerrte Klang einer E-Gitarre, welcher vor allem in der Rock, Metal und Pop Szene anzutreffen ist, kann auf verschiedene Art und Weise erzeugt werden. Die ursprünglichste Art ist das Übersteuern eines Röhrenverstärkers. Der verzerrte Sound entsteht, sobald der Verstärker an seine Leistungsgrenzen herangeführt wird. Inzwischen werden statt der Übersteuerung in der Regel Effektgeräte verwendet. Die am Markt befindlichen Effektgeräte lassen sich in drei Kategorien einteilen:

 

1.) Overdrive (Abkürzung: ODV)

 

Overdrives erzeugen eine verhältnismässig schwache Verzerrung und werden in der Praxis gerne als Booster verwendet, um eine Röhrenvorstufe zum zerren zu bringen (Gainregeler fast ganz zudrehen und Level so hoch einstellen wie er benötigt wird). Mit dem Overdrivepedal lässt sich ein Clean-Channel in einen Crunch-Channel umwandeln. Da der Verzerrungsgrad nicht zu extrem ist, findet man den Effekt auch auch gerne in der Blues und Country Musik wieder.

 

Beispiele: Heartbreaker (Led Zeppelin), Hole In The Sky (Black Sabbath)

 

2.) Distortion (auch: Verzerrer; Abkürzung: DST)

 

Distortion-Pedale eignen sich hervorragend, um einen mittleren bis hohen Verzerrungsgrad zu erreichen. Zerrpedale werden in der Regel über den Clean Channel des Verstärkers gespielt. Als Booster oder zur Erzeugung eines Crunch-Channels lassen sie die Pedale nur bedingt einsetzen, da der minimale Verzerrgrad des Pedals meist schon sehr hoch angelegt ist.

Beispiele: Around the World (Red Hot Chili Peppers), Hysteria (Muse)

 

3.) Fuzz

 

Fuzz-Pedale erzeugen einen Sound, der nach einem kaputten Lautsprecher klingt. Sehr rauher, dreckiger Klang der insbesondre bei Jimi Hendrix sehr beliebt war.

Beispiele: Foxy Lady (Jimi Hendrix), I can‘t get no satisfaction (Rolling Stones)

 

 

American vs. British Distortion

 

In Gitarrenforen ist auch immer wieder die Unterscheidung in British Distortion und American Distortion zu finden.


British Distortion:

Damit ist der typisch verzerrte Sound von Verstärkern, die aus England kamen, gemeint (Vox, Marshall). Hohe Mitten und kreischende Höhen formen einen starken, durchsetzungskräftigen Sound.


American Distortion:

Der Zerr-Sound amerikanischer Verstärker ist in der Regel dumpfer (Mesa, Boogie, Fender) und basslastig.

 

Hier geht's zu den restlichen Artikeln aus der Gitarreneffekte-Serie:

Teil I - Einführung in die Welt der Effektgeräte / Verzerrer

Teil II - Raumeffekte (Reverb / Delay)

Teil III - Modulationseffekte (Chorus, Flanger, Phaser, Uni-Vibe, Vibrato, ...)

Teil IV - Dynamikeffekte (Tremolo, Slicer, Slow Gear, Panner, Compressor, ...)

Teil V - Filtereffekte (Wah-wah, Akkustiksimulation, Auto-Filer)

Teil VI - Welcher Effekt für welchen Musikstil?

 

 

Quelle:

https://www.uberchord.com/blog/guitar-effects-by-music-genre/

https://www.musiker-board.de/threads/das-grosse-effekt-lexikon-inkl-sound-samples.217101/

http://www.gitarrebass.de/equipment/effekte-fuer-gitarre-bass/

http://www.korguser.net/jamvox/downloads/JamVOX_FX_E3.pdf

 

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